Montag, 30. November 2015

Ultimate Frisbee for Refugees in Köln

Trainingsangebot für Geflüchtete startet erfolgreich

Sport verbindet – das beweist die Initiative der Abteilung Ultimate Frisbee des ASV Köln, die seit November 2015 ein Ultimate-Training für Geflüchtete anbietet. Bereits das 1. Training war ein voller Erfolg. 

Der Wurf sitzt, die Scheibe fliegt, die Gesichter strahlen. Über ein Dutzend junger Männer zwischen 18 und 30 Jahren liefen am Allerheiligen-Nachmittag über den Kölner Grüngürtel und warfen sich Frisbeescheiben zu. Dazwischen tummelten sich rund 20 weitere, sportlich gekleidete junge Menschen, die mit den Jungs die Scheiben bewegten. Es waren Ultimatespieler, die ihre Leidenschaft für den Scheibensport an Geflüchtete weitergaben.

Die Kölner Initiative

Es gibt nichts Integrativeres als gemeinsamer Sport, der allen Spaß macht. Warum nicht diese Freude mit unseren neuen Mitbürgern teilen? So der einfache Gedanke hinter dem Projekt, das sich das Kölner Ultimate-Frisbee-Team des ASV-Köln im Oktober 2015 zur Aufgabe machte. „Wir möchten den Geflüchteten den Sport Ultimate Frisbee näherbringen und sie somit ein Stück weit in unsere Gesellschaft aufnehmen" wünscht sich Fabian, einer der rund zehn Kölner Spieler und Spielerinnen, die das Refugee-Training organisieren. Ziel des gemeinsamen Trainings sei es nicht nur, die Faszination des „fairsten Sports der Welt" zu vermitteln, sondern vor allem, den Geflüchteten aus Syrien und anderen Krisenländern ein wenig Abwechslung in ihrem Alltag zu bieten und sie letztlich in den Kölner Alltag zu integrierten.

Doch solch eine Integration durch Sport ist leichter gesagt als getan. Im Vorfeld bedurfte es einiger Vorbereitung und ehrenamtlichem Engagement, das die Ultimate-Spieler jedoch keineswegs scheuten. Sie telefonierten mit verschiedensten Institutionen, hängten Info-Plakate in Englisch und Arabisch auf und betrieben Mundpropaganda vor Ort.

So kamen schließlich am 1. November tatsächlich 15 neugierige Geflüchtete zusammen, um am Colonius erstmals die Scheibe zu werfen. Dass es so gut und reibungslos klappen würde, damit hatte zunächst niemand wirklich gerechnet. Umso mehr freuten sich alle Beteiligten, als das Training großen Anklang fand.

Einsatz vor Ort

Um so viele Teilnehmer wie möglich zu motivieren, ging am Tag des Trainings eine Team-Delegation von sechs Spieler*innen direkt zum Flüchtlingsheim in der Herkulesstraße und bewarb das Training vor Ort nochmals mündlich. Daraufhin fanden sich eine ganze Reihe Spielwillige und die Gruppe ging anschließend gemeinsam zum Colonius. Auf dem Weg machte man sich bekannt und erklärte bereits die ersten Regeln des Spiels – und das trotz der Sprachbarriere. Es war sehr spannend zu beobachten, wie sich die Jungs trotz ihrer ganz unterschiedlichen Sprachen untereinander verständigten und gegenseitig übersetzten. Schließlich hatten alle eine grobe Vorstellung von dem, was sie auf der Colonius-Wiese erwartete.

Erfolgreiche Einheit

Bei traumhaftem Sonnenschein und milden Temperaturen absolvierte das Team eine klassische Trainingseinheit mit Einwerfen, Übungen und freiem Spiel. Dabei wurde stets darauf geachtet, dass jeweils ein Kölner mit einem Geflüchteten zusammen warf. Fast alle „Neuen" machten sich sehr gut und zeigten richtig Talent, obwohl sie teilweise noch nie eine Scheibe in der Hand gehalten hatten. Die Stimmung war ausgelassen und alle hatten sichtlich Spaß. Nach dem Trainingsspiel gab es noch die Gelegenheit, sich bei einem Schluck Tee und selbstgebackenen Keksen – wieder unter Zuhilfenahme einer besonderen Dolmetscherkunst – ein wenig auszutauschen und kennenzulernen. In lockerer Atmosphäre klang schließlich das erste Ultimate-Frisbee-for-Refugees-Training entspannt und höchst zufriedenstellend aus.

Ganz besonderer Spirit

Mit diesem Frisbee-Nachmittag hat es das Team geschafft, ein wenig Freude in den Alltag dieser jungen Männer zu bringen, die ihre Heimat hinter sich lassen mussten und nun in der Erstaufnahmestelle in der Herkulesstraße darauf warten, dass sie irgendwann an einen unbekannten Ort irgendwo in NRW geschickt werden. Es war zu spüren, wie dankbar sie über diese außergewöhnliche, sportliche Abwechslung waren. Das hebt den „Spirit of the Game", der den Sport Ultimate Frisbee so einzigartig macht, auf eine ganz neue Ebene. Und dies war erst der Anfang des Projekts „Ultimate Frisbee for Refugees Cologne"!

Bundesweites Engagement

Das Kölner Team ist nicht das erste, welches sich für ein solches Sportangebot einsetzt. Unter dem Motto „Ultimate Frisbee for Refugees" haben sich deutschlandweit bereits rund 20 Ultimate-Gruppen organisiert. So gibt es ähnliche Ultimate-Trainings z. B. in Berlin, Dresden, Hannover und München. Auf den Facebook-Seiten „Ultimate-Frisbee-for-Refugees-Germany" und „ultimateforrefugeescologne" gibt es nähere Infos.

Auch Du kannst mitmachen!

In Köln sind eine Reihe Spieltrainings geplant, die jeweils am 1. Sonntag des Monats auf dem Grüngürtel auf Höhe des Colonius-Fernsehturms stattfinden. Jeder ist bei dem offenen Training willkommen, egal welche Hautfarbe er hat, welche Sprache er spricht oder aus welchem Grund er nach Deutschland kam.

Wir freuen uns auf euch!


Nächstes Training: Sonntag, 06.12.2015 um 14:30 Uhr


Text: Katharina Teudt

Fotos: Helen Springer-Frauenhoff

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